
(R)evolution
Kaffee ist unser Lieblingsgetränk. Jährlich genießen wir im Durchschnitt 151 Liter des feinen, aromatischen Getränks pro Kopf. Damit sind wir, was den Kaffeekonsum betrifft, nahezu unübertroffen: In kaum einem Land der Welt wird mehr Kaffee getrunken als in Deutschland. Wir lieben sein feines Aroma, schätzen seine belebende Wirkung. Wir glauben auch, eine Menge über unser Lieblingsgetränk zu wissen. Doch die abenteuerliche Geschichte, in deren Verlauf Kaffee nach Erdöl zum wichtigsten, weltweit gehandelten Rohstoff wurde, ist nahezu unbekannt.
Evolution vom unbekannten Strauch zum weltweiten Genussgetränk
Liebe und Leidenschaft revolutionieren die Kaffeewelt
Espresso e Progresso – der brasilianische Weg der Genusskultur
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Schon bald bemächtigten sich auch die Europäer des Kaffees. Die ersten Kaffeebohnen brachten reisende Händler 1615 nach Venedig, dem damaligen Zentrum des Orienthandels. Am Markusplatz wurde 1640 auch das erste Kaffeehaus auf europäischem Boden eröffnet. Vergeblich forderten fanatische Christen von Papst Clemens VIII., Kaffee als „Getränk des Satans“ zu verdammen. Doch nachdem dieser das Getränk probiert hatte, kam er zu einem gänzlich anderen Schluss: Es sei vielmehr eine Sünde, das köstliche Getränk den „Ungläubigen“ zu überlassen. Der weltweiten Verbreitung des Kaffees, fortan mit päpstlichem Segen, stand also nichts mehr im Weg.
Doch nicht nur der Papst, auch Rousseau, Voltaire, Richelieu und Napoleon sollen große Verehrer des Kaffees gewesen sein. Bach geriet sogar so sehr ins Schwärmen, dass er seinem Lieblingsgetränk mit der berühmten „Kaffeekantate“ ein eigenes Werk widmete. Die erste offizielle Kaffeeprobe in Deutschland allerdings war kein großer Erfolg: Ein Merseburger Kaufmann hatte 1631 seinen Gästen einen Kaffee angeboten, den seine Frau nicht mit kochendem Wasser sondern mit Hühnerbrühe aufgegossen hatte.
Wann und auf welchem Weg der Kaffee nach Brasilien gekommen ist, lässt sich leider nicht genau sagen. 1926 wurde dort das 200jährige Jubiläum des Cafeeiro (Kaffeestrauch) gefeiert; die Geburtsstunde des brasilianischen Kaffeeanbaus datiert also offiziell auf das Jahr 1726. Man erzählt sich, dass damals ein hoch dekorierter, portugiesischer Militärgesandter von der Kolonie Brasilien nach Guyana (heute Surinam), geschickt worden sei. Dieser sollte Möglichkeiten und Wege finden, Kaffeebohnen auch nach Brasilien zu bringen. Der Verkauf der edlen Bohnen an Portugiesen war nämlich verboten. Wie es der Zufall wollte, verliebten sich der Abenteurer aus Brasilien und die Frau des Gouverneurs von Guyana ineinander. Insgeheim steckte sie ihm vor seiner Rückreise ein paar der begehrten Bohnen zu. Die Kaffeepflanze hielt nun Einzug nach Brasilien, wo sie sich aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen schnell ausbreitete. Zunächst wurde Kaffee zwar nur im Norden des Landes angebaut, doch bereits um 1860 gediehen in Brasilien über 25 Millionen Kaffeesträucher: Das Land avancierte zur Supermacht in Sachen Kaffee.
